Elsewhere&Here – a poetic life

Poetry … in food … traveling … storytelling

AfterParis

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Da ist es wieder dieses Gefühl – so sehr ich auch dagegen kämpfe. Es hat die Tür meines Schutzpanzers eingetreten. Mit dem Geheul der Sirenen startet mein Herzschlag in die Jogging-Runde, mein Blick schreckt hoch und klebt sich fest am flackernden Blau.

Worte purzeln aus meinem Denken und erklären mir,
wie
alles doch in Ordnung ist und
wie sehr
alles normal.
Und doch – erst nach einer Weile setzt mein Bauch das Flaue vor die Tür. Diese Tür – diesen Schutzpanzer krieg ich nicht so ganz wieder zu. Aber vielleicht muss das so sein. Ein paar Risse sind in der Oberfläche, er ist ein wenig weicher dort, wo die Stellen schon geheilt sind. Das Erdrückende, die Kälte der Angst – viel davon habe ich verjagt.

Doch wie eigentlich? Was ist mit mir passiert in dem Moment und
nachdem
das geschehen ist
in meiner Nähe –
nicht anderswo, einfach nur 10 Minuten entfernt,

in Paris,
am 13. November 2015
.
Das Glimmen der Zigarette bringt keine Wärme. Es zwingt die Dunkelheit nicht zurück, und nicht die Nachricht, die in mein Denken kriecht. Noch nicht einmal dieses Geheul wird leiser. Es klingt so laut, als würden die Sirenen direkt das Restaurant passieren, in dem ich stecke. Der Ort umzingelt mich mit den Menschen, die ebenso feststecken wie ich.

Ein Wort zerfasert Paris am 13. November, zerschlägt den Weg, den meine Füße einschlagen, die Nachricht, die meine Finger gerade senden wollten. Dunkelheit bricht herein; Nacht zerrt das Wort “Schießerei” hinter sich her … und noch mehr.

Ein Anruf lenkt mein Hören, mein Wahrnehmen auf 60 Tote, Bomben. Nikotin betäubt mein Schmecken und mein Gefühl.
Dieser Ort raubt die Luft zum Atmen.
Dieser Ort erstickt,
und ich muss weg.
Jemand rät zu bleiben – keinesfalls hinaus zu gehen in die Nacht.
Ich will weg.
Jemand besteht auf einem Taxi.

Die Zeitungen am Morgen frosten mich mit dem Eiswasser an Information.
Mehr Tote,
mehr Bomben,
mehr Chaos,
mehr Leid.

10 Minuten entfernt, 2 Straßenzüge.
Mein Denken schreit mir ins Gesicht: Glück.
Ich wollte Stunden zuvor – zum Zeitpunkt als es geschah – durch die Stadt, Freunde treffen – zu Fuß. Mir ist nichts passiert.
Ich wollte in meine Unterkunft … laufen. Mir ist nichts passiert.

Mein Gefühl legt mir kalte Steine in den Magen, schnürt mir eine Eisenklammer um die Brust. Langsam pressen sich die Krallen zusammen.
Ich muss hier weg, weg aus Paris. Und für ein paar 20 Minuten und 30 Minuten mehr, für 1 Stunde muss die Eingeschlossenheit erträglich sein und wird es, wird der Galopp meines Herzschlags und die Eisenfesseln um meine Brust möglich zu ignorieren, wie jenes angestarrt werden in halbleeren U-Bahnen am Samstagmittag in Paris, wie jene ausgestorbenen Flure in einem der größten Flughafen Europas, jene dunklen Gestalten für ein paar Ellen im Halbschatten hinter mir. Für das Ziel zu Hause zu sein.

Schreckliche Dinge geschehen anderswo, weit weg. So ist es doch, oder?

Ich renne los.

Ich beginne zu rennen. Jedes Mal, wenn die U-Bahn mich mehr als 2 Minuten warten lässt, wenn die U-Bahn zu voll ist, wenn ein Raum zu eng wird, zu voll, die Türen zu lange schließen, die Luft zu dick wird, wenn die Zeit alleine zu lang wird und die Menschen um mich zuviel. Das Eisen um meine Brust schnürt sich enger. Ich kann nicht stehenbleiben, kann mich nicht verstecken, nicht verkriechen, nicht ducken in die Sicherheit von vier beklemmenden Wänden. Ich sehe Wachen mit den Gewehren im Anschlag am Bahnhof, und mein Fuß gefriert im Schritt für einen Moment, bis der Boden wieder auf ihn trifft. Mein Herzschlag saust los. Ich hole Luft. Ich renne in Gespräche, renne zu meiner Familie, zu Freunden. Jeden Tag geht ein wenig mehr, mehr Menschen, mehr Fülle, mehr alleine sein, geschlossene Räume. Die Worte sind mein Tempo, locken die Erinnerung an das Erlebte aus mir heraus, ziehen die Dunkelheit und die Schwere mit sich, schwemmen sie aus. Stück um Stück um Stück um Stück.

Ein Schatten bleibt. Das Flattern in der Brust, und der Eisfrost in den Gliedern, wenn Sirenen heulen, lässt sich nicht abstellen – nicht gegen das Wissen, dass mir nichts Schreckliches geschehen ist; nicht gegen die Wut auf mich selbst, des Abstellens unfähig zu sein, die Schwäche nicht einfach auszublenden.

Ich seh mir den Schatten an. Ein wenig Licht scheint hindurch.
Mahnung.
Zu leben, wertzuschätzen,
zu wagen – jeden Tag, so lange uns Zeit geschenkt ist –
zu wagen, was wir erträumen … loszugehen auf dem Weg statt zu warten, zu sein, so lange möglich – nicht aufzuhören.
Das Schlimmste, das zu verlieren ist,
ist die Fülle des Leben – selbst wenn wir körperlich noch am Leben sind.

Ich atme tief durch. Ein schiefes Lächeln wage ich – über das Flattern und über das Glück,
über den Weg, auf den ich meine Schritte ein wenig fester setze,
über die Menschen, die gut sind,
und was geschieht und ein Licht auf unseren Weg sendet und die Schatten heller machen.
Lies auch:
10 minutes away
a song in Paris

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Here you are 🙂

Again. This feeling enters – even though I fight against it. It destroyed the door of my protective armor. With the howling of sirens my heartbeat starts jogging, my eyes startle and stick to the flickering blue.

Words tumble out of my mind and tell me,
how
everything is in order and
how much
all is OK.
And yet – after a while just my stomach ignores the fluttering.
This armor, I can´t get it completed again. But perhaps … must be so. With the few cracks in the surface, it became a little softer where the scars are already healed. The crushing, the cold of the fear – much of it I have chased away.

But how was this possible? What happened to me at the moment and
after this
after that happened
close to me –
not elsewhere, just only 10 minutes away,

in Paris,

on 13 November 2015th:
The glowing cigarette brings me no warmth. It not forces the darkness back, and not the news that creeps into my thinking. Not even this howling is quieter. It sounds as loud as if the sirens pass directly through the restaurant, where I stick. The place I found myself surrounded with people who are stuck like me as well.

A word frayed Paris on 13 November, smashes the way hitting my feet, the message that would be sending by my fingers almost right now. The darkness falls; Night drags the word “shooting” behind her … and more.

A call baring 60 deaths; bombs. Nicotine numbs my taste and my feeling.
This place robs the air I´m breathing.
This place suffocates, and I have to go.
Someone advises to stay – strongly.
I want to leave.
Someone insists to take taxi.

The morning papers freeze me with the ice water of informations.
More deaths,
more bombs,
more suffering.

10 minutes, 2 blocks.
My thinking screams into my face: luck.
I wanted to take the city, meet friends – on foot. Nothing happened to me.
I wanted to be in my hotel …. taking the walk. Nothing happened to me.

My feeling fills my stomach with cold stones, constricted me an iron clamp around the chest. Slowly, the claws are getting pressed together.
I must get outta here, outta Paris. And for a couple of 20 minutes and 30 minutes more, for 1 hour, the confinement must be tolerable and it is, is becoming possible to ignore the gallop of my heartbeat and the iron shackles around my chest like those extinct corridors that day in one of the largest airport in Europe, those dark figures for a few yards in the penumbra behind me. For the goal of reaching home. My home

Terrible things happen elsewhere, far away.

I run.

I begin to run. Every time the subway makes me wait more than 2 minutes, every time  the subway is too full, if a space is too tight, if doors close for too long, the air is too thick, the time alone is too long, and the people around me too much. The iron around my chest constricts tighter. I can not stop, can not hide myself, not hide, not cower in the safety of four walls. I see guards with rifles at the station, and my foot freezes in the middle of a step for a moment, until the soil rejoins him. My heartbeat rushes off. I’ll get air. I run in conversations, run to my family, to friends. Every day there is a little more, and more people, more crowds, more of my own, enclosed spaces. The words are my pace, the memory of the my experience lure out, pull the darkness and the heavyness with them, they flood out. Piece by piece by piece by piece.

A shadow remains. The fluttering in my chest, and the ice frost in the limbs when sirens, I can´t stop it – not for the knowledge that nothing terrible has happened to me; not for the anger against myself of being incapable to throw-off, not simply be able to hide the weakness.

I look at the shade. A little light shines through.
Reminder.
To live, to appreciate,
daring – every day, as long as our time is given –
to dare what we dream … start on the road instead of waiting to be, as long possible – not to stop.
The worst thing is to lose the fullness of life – even if we are physically alive.

I take a deep breath. A wry smile I dare – due to the fluttering and to luck,
due to the way onto which I set my steps a little tighter
due to the people who are good,
and what is happening and sending a light on our path and make the shadows brighter.
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This entry was posted on 14. December 2015 by in Allgemein, Gedanken-Sammler and tagged , , , , .
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